Aus der Idee mit der ehrlichen Jeans für ehrliche Menschen entstand im Jahr 1932 die Jeans- und Lifestylemarke Mustang. Ihren Hauptsitz hat die Marke in Künzelsau, einer kleinen Stadt im Süden von Deutschland. Hier wurde auch die Marke im Jahr 1932 anders als erwartet von einer Frau gegründet. Luise Hermann hieß die Dame, die auf die Idee kam, eine Bekleidungsfabrik in Künzelsau zu eröffnen. Dies tat sie als Reaktion auf das stagnierende Holzhandelgeschäft ihres Ehemannes. Sie wollte ihn mit ihrer Firma finanziell unterstützen. Angefangen hat alles unter dem Namen L. Hermann Kleiderfabrik und es wurde sich hauptsächlich mit der Fertigung von Arbeitskleidung beschäftigt. So stattete die Firma den Reichsarbeitsdienst und die Wehrmacht mit Drillichanzügen aus. Das Geschäft lief so gut, dass Luise Hermann bald ihren Sohn, Rolf Hermann, und ihren Schwiegersohn, Albert Sefranek, mit ins Boot holte. 1954 traten beide ihren Dienst in der L. Hermann Kleiderfabrik ab.

Geradezu legendär wird es dann, wie Familie Hermann in das Denim- Geschäft eingestiegen ist. Drei Jahre später, wir schreiben das Jahr 1948, geht Albert Sefranek in eine Frankfurter Bar. Hier trifft er auf einige US-Soldaten, die Jeans, ihre damalige Arbeitsbekleidung, trugen. Albert witterte seine Chance und tauschte ganz einfach sechs Flaschen Schnaps gegen sechs originale US- Jeans. Die Jeans wurden dann als erstes Schnittmuster für die ersten Jeans der Kleiderfabrik benutzt. Man nahm sie auseinander, trennte Nähte auf und nahmt die Schnitte der Hosen ab. Noch im gleichen Jahr kam der erste Auftrag ins Haus, der 300 blaue Jeanshosen, in dem Fall Arbeiterhosen, haben wollte. Die Jeans wurde also gut von dem Volk aufgenommen. Damit war die L. Hermann Kleiderfabrik der überhaupt erste Anbieter für Jeanshosen in ganz Europa. Nach und nach wurden immer mehr Schnitte von US- Amerikanern übernommen. So auch den der Röhrenhose, die Sefranek durch in Deutschland stationierte GIs bekam.

Da die Hosen aus dem festen, robusten Material sehr gefragt waren, ging die Firma bald mit ihrer Hose in Serienproduktion. Zuerst wurden Hosen aus Köper gefertigt. Diese waren für die Arbeitsbekleidung gedacht. Später dann wurde aber auch aus dem uns heute bekannten Stoff Denim produziert. Dafür wurde echter Denim extra nach Deutschland importiert, um hier verarbeitet zu werden.

Leider waren die Anfangsjahre der Jeans sehr schwer. Deutschland befand sich in der Nachkriegszeit. Keiner hatte Geld, alle waren arm und die Jeans wurde immer öfter in eine Richtung gedrängt. So wurde sie erst mit den Siegermächten assoziiert und anschließend mit den linken Parteien und deren Vertretern. Außerdem hatte die Röhrenjeans einen engen Schnitt und galt daher als ordinär.

Im Jahr 1953 gab es eine kleine Revolution auf Seiten der Frauen. Die L. Hermann Kleiderfabrik entwarf zum ersten Mal auch eine Jeanshose für Damen. Sie wurde unter dem Namen „Girl´s Campinghose“ verkauft. Anfangs waren die Damen nicht sonderlich begeistert, aber immer öfter sah man die Damenhose dann doch auf den Straßen. Die Gesellschaft musste sich erst daran gewöhnen, dass nun auch Frauen Herrenhosen tragen konnten. Zwei Jahre später kam dann das gleiche Jeansmodell auch aus Cordstoff auf den Markt und wurde besser angenommen als das zuvor erschienene Modell. Seitdem produziert das Unternehmen nun also Denimhosen, die jedem passen. Damals kostete eine hochwertige Denimhose rund 20 Mark, was zu den Zeiten schon eine Menge Geld gewesen ist.

1985 wurde dann endlich die Marke Mustang Jeans geboren, wie ihr sie heute kennt. Inspiriert wurde der Name der Marke und auch die gesamte Marke vom American Way of Life, der ganz anders war als der damalige in Deutschland. Das Logo des Unternehmens wurde passend dem Mustang nachempfunden und zeigte ein stilisiertes Pferd.

In 60iger Jahren schaffte es Mustang noch einmal richtig von sich reden zu machen, indem das Unternehmen die erste Strechjeans auf den Markt brachte. Sie war die erste Jeans mit Strechanteil weltweit. Daraufhin kaufte Kaufhof die ersten Modelle der Jeans und verbreitete Mustang so im bundesweiten Einzelhandel. In den 70iger Jahren folgte der nächste Meilenstein des Unternehmens, indem sie nun keine Berufsbekleidung mehr produzierten, sondern Jeansmode. Das gesamte Unternehmen wurde umgestellt und ab 1972 wurde Mustang Partner für die westdeutsche Mannschaft zu den Olympischen Sommerspielen in München. Es wurden nun auch Jacken und Oberteile hergestellt, die sich in das Kollektionsbild eingliederten.

1989 bekam Mustang die Lizenz für JOOP! Jeans herzustellen, die erst im Jahr 2003 auslief. Auch wurde ein Lizenzvertrag mit W&LT – Wild And Lethal Trash abgeschlossen. 1990 kam es zum einen Szene- Marketingkonzept mit dem Musiksender VIVA, das JAM – Jeans and Music hieß und darin bestand, einmal in der Woche die Mustang Roadshow mit Live- Konzerten zu zeigen. Musikalisch war Mustang generell immer unterwegs, so sponserte die Marke auch große Events wie Rock am Ring, die Popkomm oder auch Bands wie die Scorpions.

Gegen Ende der 2000er Jahre kamen schwierige Zeiten für Mustang. 2004 gab es eine Trendwende, die weg von den Jeansmodellen und hin zu anderen Trends führte und so hatte das Unternehmen Geldeinbußen zu verkraften. 2007 wurde das letzte eigene Werk in Ungarn geschlossen und die Belegschaft in Deutschland auf ein Drittel reduziert. Hergestellt werden die Textilien jetzt nur noch als Auftragsfertigung in China und im Fernen Osten. Dies alles stellte aber kein Problem dar, denn Mustang schaffte es, sich aufzurappeln und hatte bereits im Jahr 2008 wieder 190 eigene Läden, in denen nur eigene Produkte vertrieben werden. Seit 2009 gibt es sogar einen Mustang- Onlineshop, in dem ihr online einkaufen gehen könnt.

Im Oktober 2011 wurde dann die Mehrheit des Unternehmens abgegeben. Bis dahin war es 80 Jahre lang in Familienbesitz der Familie Sefranek gewesen. Nun gehört die Firma Mustang 14 Gesellschaftern einer bestehenden Investorengruppe.

Bis heute hat die Mustang- Gruppe ganze neun Standorte in Europa, China und Russland und einer erneuten Erweiterung steht nichts mehr im Weg. Heute definiert sich die Marke Mustang als Denim Lifestyle Brand, das den neuesten Trends folgt, sich aber auch treu geblieben ist. Es gibt sogar seit 2007 ein eigenes Mustang Museum, das im ehemaligen Wohnhaus der Familie Hermann in Künzelsau zu finden ist.